Polizeinews
 

Hamburg

Mord an einem türkischen Obst- und Gemüsehändler im Juni 2001 - Veröffentlichung eines Aufrufs der türkischen Polizei und aktueller Ermittlungsstand der Polizei Hamburg Am Mittwoch, den 27.06.2001, in der Zeit zwischen 10:45 Uhr und 11:15 Uhr wurde der damals 31-jährige Süleyman Tasköprü von bisher unbekannten Tätern in dem von der Familie betriebenen Obst- und Gemüsegeschäft in der Schützenstraße 39, Hmb.-Bahrenfeld, erschossen.

Süleyman Tasköprü war das dritte Opfer einer am 09.09.2000 beginnenden bundesweiten Serie von neun Morden an türkischen bzw. türkischstämmigen und einem griechischen Staatsangehörigen. Neben der Tat in Hamburg wurden bis zum 06.04.2006 drei Taten in Nürnberg, zwei in München und je eine in Rostock, Dortmund und Kassel verübt.

In allen neun Fällen wurde die gleiche Tatwaffe verwendet, eine Pistole der Marke Ceska 83, Kaliber 7,65mm. Außerdem wurde bei der ersten Tat in Nürnberg sowie in Hamburg eine weitere, bislang nicht näher bekannte Pistole, Kaliber 6,35mm, als Tatwaffe benutzt.

Bereits Mitte 2005 richtete die Polizei Nürnberg die Besondere Aufbauorganisation (BAO) "Bosporus" ein. Die BAO hat in dieser Tatserie Zentralstellenfunktionen für das gesamte Bundesgebiet übernommen.

Die enge Zusammenarbeit aller Ermittlungseinheiten in Deutschland wird von einer Steuerungsgruppe koordiniert, die mit hochrangigen Polizeibeamten der betroffenen Bundesländer und des Bundeskriminalamtes besetzt ist.

Aufgrund der Ermittlungen der BAO in Nürnberg ergaben sich auch in Bezug auf die Tat in Hamburg neue Ermittlungsansätze. Die Polizei Hamburg richtete deshalb im März letzten Jahres im Hamburger Landeskriminalamt die Sonderkommission 061 ein. Sie ist mit sieben Kriminalbeamten aus den Bereichen Tötungsdelikte, Raub und Organisierte Kriminalität sowie drei weiteren Kriminalbeamten für den Bereich Auswertung/Analyse besetzt.

Die Ermittler haben seit dem Bestehen der Soko 061 beispielsweise folgende umfangreiche Ermittlungen durchgeführt:

- Die Kriminalbeamten verfolgten 276 Spuren, führten 326 Vernehmungen durch und überprüften 1.900 Personen.
- Bürgernahe Beamte verteilten in ihren jeweiligen Betreuungsgebieten 4.500 Präventionsflyer an Kleingewerbetreibende. Die Flyer wurden auch in türkisch erstellt und verteilt.
- Darüber hinaus wurden in der Umgebung des Tatortes in der Schützenstraße 500 Flyer mit einem Hinweisaufruf an Anwohner und Geschäftsleute verteilt.

Selbstverständlich gibt es auch eine enge Zusammenarbeit mit der türkischen Polizei in Ankara. Hierzu wird folgender Aufruf der Generalsicherheitsdirektion des Innenministeriums der türkischen Republik veröffentlicht:

"In den Jahren zwischen 2000 bis 2006 wurden in Deutschland in verschiedenen Städten acht türkische Staatsangehörige ermordet. Bei einem dieser türkischen Staatsangehörigen handelte es sich um Süleyman Tasköprü. Tasköprü stammt aus Afyon und war seit langen Jahren als Arbeiter in Deutschland tätig. Auch die anderen Opfer waren Menschen wie Tasköprü. Durch diese Morde bleiben schmerzvolle Familien, Kinder ohne Väter und Ehefrauen ohne Männer zurück. Dass unsere türkischen Staatsangehörigen Opfer einer Mordserie in Deutschland wurden, traf die türkische Polizei sehr und sie begann eine Zusammenarbeit mit der deutschen Polizei.

Zur Aufklärung der Morde, Linderung der Schmerzen der zurückgebleibenen Angehörigen der Opfer und der Festnahme des/der Täters/Täter wurde innerhalb der türkischen Polizeiorganisation ein Polizeiteam beauftragt. Seit fast vier Jahren kooperiert dieses Team mit der deutschen Polizeibehörde und hat bis jetzt in der Türkei und in Deutschland eine Reihe von Maßnahmen durchgeführt. Eine dieser Maßnahmen war die Kontaktaufnahme mit den Opferfamilien. Dazu wurde die Heimat der jeweiligen Opfer aufgesucht und dort mit den Familienangehörigen und Verwandten Gespräche geführt. Dabei handelt es sich um die Provinzen Isparta, Ayfon, Sanliurfa, Elazig, Bursa, Kahramanmaras und Yozgat.

Außerdem wurden in Zusammenarbeit mit dem Bundeskriminalamt und den Länderpolizeidienststellen Deutschlands Gespräche mit den Angehörigen in Hamburg, Dortmund, Kassel, München und Nürnberg geführt. Alle Opferfamilien gaben unseren Beamten gegenüber an, dass ihr Schmerz noch wie am ersten Tag sei und sie erst zur Ruhe kommen werden, wenn der/die Täter gefasst ist/sind.

Zur Aufklärung der Morde hat die türkische Polizei in den letzten vier Jahren große Bemühungen gezeigt. Wie jedoch bekannt, konnten der/die Täter bis heute nicht gefasst werden. Wir bitten unsere in Deutschland lebenden fast drei Millionen türkischen Staatsangehörigen um Unterstützung. Nur mit dieser Unterstützung können diese Mordfälle aufgeklärt, der Schmerz der Hinterbliebenen gelindert, weitere Morde und Nachteile für unsere Staatsangehörigen verhindert werden.

Die Zusammenarbeit mit dem Bundeskriminalamt und den deutschen Länderpolizeibehörden läuft auf höchstem Niveau. Informationen zur Aufklärung dieser Morde können an die deutsche Polizei oder an die elektronische Postadresse organize@kom.gov.tr der türkischen Polizeibehörde per mail übermittelt werden.

Wir bedanken uns im voraus für Ihre Unterstützung."

Auch die Polizei Hamburg weist sie nachdrücklich darauf hin, dass jeder Hinweis bedeutsam sein kann. Wir sind sicher, dass es nach wie vor Verwandte, Freunde Nachbarn, Kollegen oder andere Personen gibt, die uns wichtige Informationen geben können, deren Bedeutung sie möglicherweise selbst gar nicht kennen. Zögern Sie nicht, sich bei der Polizei zu melden. Sie können mit ihren Angaben dazu beitragen, die Ermittler bei der Aufklärung der Taten zu unterstützen und so möglicherweise weitere Morde verhindern.

Ein wichtiger Ansatzpunkt zur Aufklärung der Taten sind Hinweise auf Verbindungen zwischen den Opfern. So konnte inzwischen ermittelt werden, dass sich der am 25.02.2004 in Rostock getötete Yunus Turgut seit 1994 bis zu seiner Ermordung zeitweilig in Hamburg und Umgebung aufgehalten hat. Teilweise war er auch unter dem Namen "Mehmet" Turgut bekannt. Bekannte Aufenthaltsorte von Yunus Turgut waren die kurdische Moschee Am Steindamm in Hamburg und das Alte Land (Obsternte).

Wer kann Hinweise zu Kontaktpersonen und Aufenthaltsorte von Süleyman Tasköprü und Yunus Turgut geben?

Für Hinweise, die zur Aufklärung der gesamten Mordserie führen, ist eine Belohnung von bis zu 300.000 Euro ausgesetzt. Hinweise nimmt das Landeskriminalamt unter der Telefonnummer 4286-56789 entgegen.

Nachricht vom 18.7.07 17:00

Ein Service von www.hamburg-hansestadt.de

Seite schliessen